Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Aufmerksamkeitsprobleme stellen ein häufiges Problem im Kindes- und Jugendalter dar. Ein großer Bewegungsdrang, Impulsivität und Unaufmerksamkeit ist gerade bei jungen Kindern häufig anzutreffen.

Sie können mit einer Teilleistung- oder Wahrnehmungsschwäche in Zusammenhang stehen oder auch Folge einer emotionalen oder kognitiver Überforderung sein.

Aufmerksamkeitsdefizitstörungen mit und ohne Hyperaktivität im Kindes- und Jugendalter (ADHS/ADS)

Aufmerksamkeitsprobleme stellen aber auch ein Kernsymptom der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) dar. Diese  neurobiologisch bedingte Störung ist durch erhebliche Beeinträchtigungen der Konzentration und Daueraufmerksamkeit, durch Störungen der Impulskontrolle und der emotionalen Regulation sowie fakultativ durch motorische Hyperaktivität bzw. Unruhe gekennzeichnet.

Aufmerksamkeitsstörungen zählen gemeinsam mit den aggressiven Verhaltensstörungen (Störung des Sozialverhaltens) zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Nach den heute gängigen Diagnosekriterien sind ca.  3-10 % aller Vier- bis Zehnjährigen von hyperkinetischen Kernsymptomen betroffen (u.a. Lehmkuhl et al., 1998; Gomez et al., 1999 u.a.). Insgesamt leiden 3-12 % der Bevölkerung an ADHS/ADS (vgl. Wender 2002). Die Symptomatik zeigt charakteristische Ausprägungen in Abhängigkeit zum Lebensalter. Inwieweit es sich um eine klinisch relevante Problematik oder lediglich eine „Aufmerksamkeitsschwäche“ resultierend aus anderen Ursachen handelt, kann im Rahmen einer ausführlichen Diagnostik geklärt werden.

Häufige ADHS-Kernsymptome

Unaufmerksamkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • kurze Durchhaltefähigkeit
  • leichte Ablenkbarkeit
  • Vergesslichkeit
Impulsivität
  • ständiges Unterbrechen und Stören anderer
  • Herausplatzen mit Antworten
  • nicht warten können
Hyperaktivität
  • extremer Bewegungsdrang
  • motorische Unruhe
  • ruhige Beschäftigung fällt sehr schwer

Die Behandlung von ADHS/ADS und Aufmerksamkeitsproblemen muss individuell und multimodal abgestimmt und dem Lebensalter angepasst werden.

Hierbei biete ich folgende Behandlungs- und Beratungsschwerpunkte an:

  • Psychoedukation: ausführliche Beratung der Eltern und anderer Bezugspersonen  sowie der betroffenen Kinder und Jugendlichen über und im Umgang mit der Symptomatik
  • Neuropsychologisch und verhaltenstherapeutisch fundierte Einzel- und Gruppentrainings (u.a. Marburger Konzentrationstraining, Aufmerksamkeitstraining von Laucht und Schlottke, Attentioner u.w.)
    Die Trainings finden laufend statt, wobei wir bemüht sind, die Gruppen auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kinder gut anzupassen.
  • Selbstinstruktionstraining und Selbstmanagementverfahren
  • soziales Kompetenztraining
  • Behandlung von Selbstwertdefiziten, Problemen in der Interaktion mit Gleichaltrigen
  • Behandlung von umschriebenen Entwicklungsstörungen / Teilleistungsschwächen
  • Übungen zur Emotionswahrnehmung und -regulation
  • Ressourcenorientiertes Stressmanagement, Gestaltung von Beziehungen und Selbstachtung

Überblick über den Verlauf eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (vergl. Döpfner, 2007)

Säuglings- und Kleinkindalter
  • sehr hohes psychophysiologisches Aktivierungsniveau
  • ungünstige Temperamentsmerkmale (Schlafprobleme, Essprobleme, gereizte Stimmung) und negative Eltern-Kind-Interaktion
Vorschulalter
  • Hyperaktivität (ziellose Aktivität)
  • geringe Spielintensität und Spielausdauer
  • Entwicklungsdefizite
  • oppositionelles Verhalten
  • Risikofaktoren für ungünstige Entwicklung: aversive Eltern-Kind-Interaktion, Aggressivität des Kindes, Entwicklungsdefizite
Grundschulalter
  • Schuleintritt ist häufig eine große Herausforderung
  • Unruhe / Ablenkbarkeit im Unterricht
  • Lernschwierigkeiten / Teilleistungsschwächen
  • Umschulungen / Klassenwiederholungen
  • aggressives Verhalten (mind. 30 – 50%)
  • Ablehnung durch Gleichaltrige
  • Leistungsunsicherheit / Selbstwertprobleme
Jugendalter
  • Verminderung der motorischen Unruhe
  • Aufmerksamkeitsschwächen bleiben meist bestehen
  • aggressives Verhalten
  • dissoziales Verhalten / Hohe Gefährdung in Richtung Straffälligkeit
  • Alkohol- / Drogenmissbrauch
  • emotionale Auffälligkeiten
Erwachsenenalter
  • Persistenz hyperkinetischer Symptome bei 30 – 60%
  • ausgeprägte Symptomatik bei ca. 30%
  • geringere Schulbildung