Autismus-Spektrum-Störungen

Autistische Störungen sind vielschichtige Phänomene und werden im deutschsprachigen Raum den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet. Den Autismus gibt es nicht. Vielmehr spricht man von einer Gruppe von Störungsbildern, woraus sich der Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ableitet.

Unter ASS werden der frühkindliche Autismus, das Asperger Syndrom, der atypische Autismus, sonstige tiefgreifende Entwicklungsverzögerungen und nicht näher bezeichnete tiefgreifende Entwicklungsstörungen zusammengefasst.

ASS sind keine seltene Störung. Neuere Studien ergeben eine Häufigkeit für Autismus von 0,3 und für andere ASS von 0,9%. Nach heutigem Kenntnisstand wissen wir, dass es sich hierbei um eine neurobiologische Entwicklungsstörung mit genetischem Hintergrund handelt.

Gemeinsames Kennzeichen aller ASS sind u.a. Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, Besonderheiten in der Kommunikation sowie begrenzte, sich häufig wiederholende und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten. Meist besteht ein starker Wunsch nach Gleichförmigkeit. Das Krankheitsbild kennzeichnet aber vor allem ein Kontinuum von Symptomen und Schweregraden. ASS variieren auch mit dem Alter und über den Entwicklungsverlauf. Eine intellektuelle Behinderung kann fehlen, leicht oder sehr schwer ausgeprägt sein. Häufig werden autistische Störungen auch von Aufmerksamkeits-, Wahrnehmungs- oder Schlafstörungen begleitet.

„Wie der Begriff Haus eine ganze Vielfalt von Gebäuden mit einschließt (z.B. Hochhaus, Bungalow, Villa, Hütte), so umfasst der Begriff „Autismus“ viele Varianten und Facetten. Ein Mensch mit Autismus kann ein selbstständig lebender Arbeiter, Angestellter, freischaffender Künstler oder Akademiker sein, er kann aber auch ein Mensch sein, der nicht sprechen kann, nie gelernt hat, sich selbst zu versorgen und der lebenslang Hilfe benötigt.“ (Bernard-Opitz, 2007, S.14)

Die Diagnose erfolgt über Beobachtung und Fragebogenerhebung, bevorzugt durch einen spezialisierten Klinischen Psychologen, Psychiater oder Neurologen. Internationaler Standard ist hierbei die Erhebung mittels des Autismus-Diagnostik-Interview (ADI-R) in Kombination mit dem Beobachtungssystem ADOS (Autism Diagnostic Observation Schedule).

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ASS orientiert sich immer am Entwicklungsstand sowie der individuellen Situation, wobei  verhaltenstherapeutische und heilpädagogische Methoden dominieren. Ziel dieser Programme ist es, kognitive, sprachliche und sozial-emotionale Fertigkeiten zu fördern. Die Einbeziehung der Eltern und ein vernetztes Miteinander aller Personen, die das betroffene Kind in seinem Entwicklungsverlauf begleiten, sind hierbei wesentlich für das Ausmaß des Erfolges therapeutischer Maßnahmen.

Neben einer standardisierten diagnostischen Abklärung bei Verdacht des Vorliegens einer Autismus-Spektrum-Störung biete ich eine Beratung im Umgang mit der Symptomatik, Unterstützung bei der Wahl geeigneter therapeutischer Maßnahmen und bei Bedarf auch klinisch-psychologische Behandlung an.